Geschichten
aus dem Leben
Wie geht's
denn so?
Ja, wie
geht es mir
denn so?
Seit die"
Krankheit" bei uns zu Hause eingezogen ist, ist alles anders.
Sie
beherrscht jetzt
unseren Alltag, unsere Freizeit, unsere Tage und Nächte.
Wir richten
uns nach ihr, wenn es ums Kochen und Essen geht:
Wo wird
eingekauft, was wird gekocht, wann wird gegessen.
Wer kann
wann und wie lange ins Bad - die Krankheit braucht Verständnis.
Wer fährt in welche Richtung
und kann dort was erledigen?
Wer fährt in dieser Woche zum
Arzt, zu einer Behandlung mit?
Wer braucht
das Auto, wann und wie lange - die Krankheit will organisiert
sein.
Wir müssen den
Besuch im Schwimmbad verschieben,
die
Freunde können
heute nicht zum Spielen kommen,
zum
Pokalspiel können wir
dich nicht
begleiten - die Krankheit lässt es
nicht zu.
Zum Fußballspiel nehmen dich
die Eltern deiner Freunde mit,
Opa und
Oma kommen jetzt regelmäßig
und kümmern
sich um euch,
dieses
Wochenende fahrt ihr zu Tante Ruth - die Krankheit braucht Ruhe.
Statt in
Urlaub zu fahren, machen wir ein paar Tagesauflüge,
die Jeans
kannst du noch länger
anziehen,
Weihnachten
fällt heuer
sparsamer aus -
die Krankheit kostet viel Geld
Abgesagte
Sportabende, Fitnessstunden,
Kartl-Abende, Fußballspiele,
Radtouren.
Abgesagte
Kaffeeklatsche, Shoppingtouren,
Joggingrunden, Lauftreffs, Friseurbesuche.
Abgesagte
Geburtstagsrunden, Ausflüge, Wanderungen, Familienfeiern -
Krankheit bedeutet Pflege und Verzicht.....
und
ganz viel Liebe.
Sorgenvolle Gesichter, gespielte Fröhlichkeit,
unterschwellige Angst, bemühte
Normalität,
liebevolle
Zuneigung.........
Angst, Warten, Hilflosigkeit, Wut,
Freude, Hoffnung, Frust, Enttäuschung, Ungeduld,
Glück,
Aufatmen........
Die"
Krankheit" hat ein schlechtes Gewissen, weil sie alles so beherrscht
und
versucht, ihre
Probleme und Sorgen so weit als möglich
herunterzuspielen und „normal" zu
sein. Und
will es mit sich im Stillen ausmachen.
Die
Familie hat ein schlechtes Gewissen, weil sie manchmal ungeduldig
und unduldsam ist, sie
nicht
immer höflich,
freundlich sein kann. Sie stößt
an ihre Grenzen und muss erkennen, dass man
trotz aller Liebe und guten Willens nicht alles selbst bestimmen,
sondern manchmal
nur geschehen lassen kann. Und will es
mit sich im Stillen ausmachen.
Da ist es
doch besser, es miteinander im Lauten
auszumachen.
Miteinander
reden, lachen, weinen, streiten, beten.
Denn: Was
hat die
Krankheit vor?
Und was
geschieht in
der Familie?
Darüber müssen wir miteinander reden!
Gisela Bernatzky
2/2011
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Mein
Name ist Gisela
Bernatzky
Ich
bin im Dezember 1946
geboren, in 2. Ehe verheiratet, habe eine Tochter und Schwiegersohn,
bin stolze
Großmutter von 2 Enkeln. Mein Mann hat einen Sohn mit
in die Ehe gebracht und
zusammen mit seiner Freundin sind wir eine richtig große Familie.
Im
Jahr 2003 bin ich an Brustkrebs erkrankt. Vom Befund bis zur Operation vergingen nur
10 Tage.
Der Tumor war 3,2
cm groß und 8 Lymphknoten waren
befallen. Die Brust und
befallene Lymphknoten
wurden entfernt, allerdings konnte ein
Lymphknoten hinter
dem Schlüsselbein nicht operiert werden.
Mein Krebs
HER 2positiv.
Vor
der ersten Chemo wurde
mir ein Port implantiert, der erste versagte, der zweite funktionierte.
Ich
erhielt 8 Chemo-Zyklen, begleitend
dazu,
über eine Studie, wöchentlich
das neue
Mittel Herceptin.
Nach
2 Jahren
verschlechterte sich mein Allgemeinbefinden, man nahm es nicht richtig
ernst. Erst nach
einer neuerlichen
PET-Untersuchung, auf der ich bestand, wurden
Metastasen am Brustbein erkannt. Daraufhin wieder das
ganze
Chemo-Therapie-Programm, nunmehr wöchentlich, ergänzend dazu Herceptin,
das ich
die ganz Zeit, über 4 Jahre, ununterbrochen bekam und lebenslänglich
bekommen
sollte.
Nach
4 Jahren Chemos
bemerkte ich, dass
ich immer schwächer
wurde, mir ständig schlecht war (ich fühlte mich wie schwanger), die
Finger
nicht mehr funktionierten, Sehstörungen, Geschmacksbeeinträchtigungen
und immer
andere Nebenwirkungen auftraten. Als dann
der Port versagte, habe ich für mich entschieden, auch die
Herceptin-Infusionen
abzusetzen. Ich ließ mich von den Unikliniken Ulm und München beraten,
bekam
das ok, wobei die Verantwortung alleine bei mir lag,
und
war die 2. Patientin in Wertingen, der der Port entfernt
wurde.
Ich
habe 212
Chemo-Infusionen, 33 Bestrahlungen und unzählige Arztbesuche und
Untersuchungen
„überlebt“. Heute, nach 5 Jahren, kann
ich sagen, dass es mir gut geht und keine neuen Metastasen
aufgetreten
sind.
Danken
will ich allen Ärzten
und allen MitarbeiterInnen in Krankenhäusern und Praxen. Ich wurde
immer, bis
auf wenige Ausnahmen, sehr
gut beraten
und behandelt. Obwohl ich Kassenpatientin bin, hatte ich nie das
Gefühl, als
solche behandelt zu werden.
Diese
Krankheit hat mich
gelehrt, NEIN zu sagen, negative Gedanken in positive umzuwandeln,
egoistischer
zu werden, mit meiner Zeit zu geizen und im Hier und Heute zu leben.
Ich
habe gelernt,
Verantwortung für meinen Körper zu übernehmen, genau hinzuhören,
auszuruhen und
zu entspannen. Zu meiner Gesundung habe ich alles angenommen, von dem
ich vermutete,
dass mir an Körper,
Geist und Seele
helfen konnte: Onko-Psychologie, Meditation, Reiki, Gebet,
Immagination,
Spaziergänge, Gartenarbeit, krebshemmende Speisen, natürliche
Breitbandvitamine
und Zellaufbaupräparate.
In
dieser Zeit ist in mir
auch die Erkenntnis gewachsen, dass ich für mein restliches Leben mit
dem Krebs
leben muss. Er wird, bewusst oder und bewusst,
mein ständiger Begleiter sein. Doch wir haben uns
angefreundet, mein
Krebs und ich.
Nach
einiger Zeit ist in mir
der Wunsch aufgekommen, die Erfahrungen dieser
Jahre
mit anderen Menschen
auszutauschen und diesen, auf
der Basis
einer Selbsthilfegruppe, zu helfen.
So
habe ich mit
Gleichgesinnten die Krebs-SHG Vita*Leben gegründet.